Bunte Stadt in Farbe

Magdeburger Moderne selbst entdecken

Unser Bild vom Magdeburg der 1920er Jahre ist von zeitgenössischen Fotografien geprägt. Aufnahmen von bedeutenden Künstlern wie Xanti Schawinsky geben manchen unverstellten Einblick in eine Zeit des Aufbruchs.

Die umfangreichste Sammlung dieser Art ist der Fotobestand des Magdeburger Hochbauamts. Das Stadtarchiv Magdeburg veröffentlichte aus diesem Fundus zunächst etwa 1.200 Aufnahmen in einer Onlineausstellung mit 30 Kapiteln. Im Jubiläumsjahr „100 Jahre Bauhaus“ ist es unsere Einladung an alle, die Magdeburger Moderne selbst zu entdecken.

Im Jahr 2026 wurde die Ausstellung um rund 500 Abbildungen erweitert. Darunter sind auch fünf farbige Glasplatten aus dem Jahr 1927. Zusätzlich werden 30 bisher unveröffentlichte Pläne und Zeichnung zur Mitteldeutsche Ausstellung für Siedlung, Sozialfürsorge und Arbeit (MIAMA) vom 1. Juli bis zum 31. Oktober 1922 gezeigt.

Diese einmaligen Quellen werden jetzt in 41 Kapitel zugängliche gemacht und durch kleine Texte erläutert - ergänzt durch Angaben zur Entstehungszeit, Provenienz, Format und Negativmaterial.

Die Online-Ausstellung hält eine zusätzliche Möglichkeit für die Nutzer bereit. Es ist möglich, die in Schwarzweiß angefertigten Aufnahmen in einer Farbigkeit zu betrachten, die durch künstliche Intelligenz erzeugt wurde. Dabei stehen zwei Farbvarianten zur Auswahl:

I. Historische Kolorierung

Diese Art der Kolorierung entstand durch Nutzung einer kleinen Anzahl historischer Farbfotografien aus den 1920er Jahren, die im Stadtarchiv auf Glasplatte überliefert sind. Sie orientieren sich also an der Farbigkeit authentischer Aufnahmen aus der Entstehungszeit.

II. Lebensnahe Kolorierung

Hier orientiert sich die KI an der tatsächlichen Farbigkeit der Motive ohne den Alterungsprozess der Kolorierung zu berücksichtigen.

Quellenbasis: Der Fotobestand Hochbauamt im Stadtarchiv Magdeburg

Der Fotobestand entstand in der Grafikabteilung des Magdeburger Hochbauamtes. Er besteht überwiegend aus Glasnegativen in verschiedenen Formaten (6 x 9 cm, 13 x 18 cm, 24 x 30 cm). Daneben enthält er Alben, in die die ersten Kontaktabzüge eingeklebt sind.

Der Bestand enthält ca. 33.000 Aufnahmen aus dem Zeitraum 1912 bis 1958. Der zeitliche Schwerpunkt liegt auf den 1920er Jahren bis 1945. Der Bestand wurde im Mai 1977 vom Büro des Stadtarchitekten an das Stadtarchiv abgegeben. Eine thematische Gliederung war nicht erkennbar. Zur Erschließung wurde nach der Übernahme in das Stadtarchiv eine Schlagwortkartei erarbeitet. Seit 2005 liegt ein Großteil der Aufnahmen auch digital vor und kann in der Archivdatenbank recherchiert werden.

Die umfangreiche Sammlung setzt einen besonderen Fokus auf die „Ära Beims“, die Jahre der Amtszeit 1919 bis 1931 von Oberbürgermeister Hermann Beims (1863–1931). Die 1920er Jahre waren von schwierigen wirtschaftlichen Verhältnissen geprägt, stehen aber zugleich für manche wegweisende Entwicklung in Politik, Gesellschaft, Kunst und Kultur. Der Bestand enthält zahlreiche Außenaufnahmen, vor allem Siedlungsbauten der 1920er Jahre, Denkmäler, Parkanlagen, die Elbe, Hafen, Brücken und Industriebetriebe. Dokumentiert sind aber auch Bestände der Magdeburger Museen, der Stadtbibliothek und des Stadtarchivs. Weitere Themenschwerpunkte waren das Gesundheitswesen und Persönlichkeiten der Stadtverwaltung, sowie Ereignisse und Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der Mitteldeutsche Ausstellung für Siedlung, Sozialfürsorge und Arbeit (MIAMA) und der Deutsche Theaterausstellung 1927 in Magdeburg entstanden waren.

Die Auswahl der Motive folgte keiner Systematik, sondern steht mit den konkreten Arbeitsaufgaben von Fotografen, Architekten und anderen Mitarbeitern des Hochbauamtes in Verbindung. Dabei bleiben stets Lücken. So fehlt etwa jede Aufnahme des Stadtschulrats Gustav Löscher (1881–1946), dem es gelang, Magdeburg bis 1933 zu einem reichsweit beachteten Zentrum der Reformpädagogik zu machen.

Die Namen der im Dienst des Hochbauamtes tätigen Fotografen sind unbekannt. Eine Reihe von Fotos wird dem Bauhaus-Absolventen Xanti Schawinsky zugeschrieben, der die Grafikabteilung von 1929–1931 geleitet hat.

Wie die Farbe in die Bilder kommt

Die Aufnahmen des Hochbauamts zeigen eine Stadt, die in den 1920er Jahren für ihre Farbigkeit berühmt war, allerdings nur in Grautönen. Für die farbigen Fassungen hat die Magdeburger Digitalagentur Apite kein Bild einfach nur durch ein Online-Werkzeug geschickt, sondern ein eigenes, mehrstufiges Verfahren entwickelt. Zunächst analysiert eine KI jedes Motiv und benennt typische Fehlerquellen. Danach erzeugen zwei unterschiedliche Farbverfahren unabhängig voneinander Vorschläge, die gezielt miteinander verrechnet werden. Entscheidend dabei: Helligkeit, Schärfe und jedes Detail stammen unverändert aus dem Originalfoto, hinzugefügt wird ausschließlich Farbe. Straßenansichten, Innenräume, Luftbilder, Gruppenaufnahmen und Zeichnungen folgen jeweils eigenen Regeln. Automatische Prüfungen und eine abschließende KI-Kontrolle sortieren unstimmige Ergebnisse aus und lassen sie neu berechnen. Die Farben bleiben dennoch eine Interpretation: Sie zeigen, wie die Szene ausgesehen haben könnte, nicht die belegten historischen Farbtöne.

Unser Dank:

Erarbeitet und erweitert wurde die Online-Ausstellung2018/19 und 2025/26 von einem Team des Stadtarchivs Magdeburg (Michael Blosfeld M.A., Konstanze Buchholz, Dr. Jens Kunze, Stefan Richter, Dr. Sabine Schaller; Idee und Leitung: Prof. Dr. Christoph Volkmar).

Wir danken für vielfältige Beratung und Unterstützung: Nils-Christian Faulhaber und Michael Stürzebecher (KID Magdeburg GmbH), Dr. Annegret Laabs (Kunstmuseum U. L. F. Magdeburg), Dr. Michael Stöneberg (Kulturhistorisches Museum Magdeburg), Prof. Dr. Christian Antz (Landeshauptstadt Magdeburg) u. v. m.

Für die Unterstützung in der zweiten Phase des Projekts 2025/26 danken wir Dr. Sabine Schaller und Julia Saborowski als Projektmitarbeiterinnen, Nils-Christian Faulhaber und Sebastian Kreuschmer (KID Magdeburg GmbH) und Stephan Recknagel von der Firma Apite GmbH.

Literatur und Quellenangaben

Quellen:

- Adressbücher der Stadt Magdeburg 1918-1936

- Der Bote aus dem Riesen-Gebirge, 04. Juni 1927, Nr. 129.

- Deutsche Bauzeitung, 06. August 1927, Nr. 63.

- Sozialgesetzbuch (SGB), Sechstes Buch - Gesetzliche Rentenversicherung, Anlage 1: - Durchschnittsentgelt in Euro/DM/RM, online verfügbar unter: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/anlage_1.html

- StAM, Rep. 35 Bpd 34-40.

- StAM, Rep. 35 Hb 6.

- StAM, Bauaktenarchiv, Bauakte Nr. 1643 Z.

- Volksstimme, 24. Mai 1925, Nr. 119.

- Volksstimme, 23. August 1929, Nr. 196.

- Volksstimme, 12. Januar 1930, Nr. 10.

- Volksstimme, 27. April 1930, Nr. 98.

- Volksstimme, 07. Mai 1930, Nr. 105.

- Volksstimme, 21. September 1930, Nr. 221.

- Volksstimme, 18. Januar 1931, Nr. 270.

- Volksstimme, 05. April 1931, Nr. 80.

- Volksstimme, 08. April 1931, Nr. 81.

- Volksstimme, 12. April 1931, Nr. 85.

- Volksstimme, 26. September 1931, Nr. 225.

- Volksstimme, 06. Oktober 1931, Nr. 233.

- Volksstimme, 17. März 1932, Nr. 66.

- Volksstimme, 31. April 1932, Nr. 94.

- Volksstimme, 16. Juni 1932, Nr. 138.

- Wiedergeburt der Farbe. Vortrag, gehalten am deutschen Farbentag im Hamburg 15. April 1925, abgedruckt in: Die Bauwelt. Zeitschrift für das gesamte Bauwesen 16 (1925), H. 29, S. 674-676.

Literatur:

-Anpfiff in Magdeburg. Die Ursprünge des Fußballsports und Quellen zur Sportgeschichte im Stadtarchiv, Magdeburg 2007

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-Bergner, Reinhard: Die Berthold-Otto-Schulen in Magdeburg. Ein vergessenes Kapitel reformpädagogischer Schulgeschichte von 1920 bis 1950, (= Studien zur

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-Brandt, Sigrid: Ausstellungshalle "Land und Stadt", Magdeburg 2006.

-Buchholz, Ingelore: Magdeburg so wie es war, Bd. 2, Düsseldorf 1997.

-Buchholz, Ingelore: Magdeburger Elbbrücken, Magdeburg 2005.

-Centralblatt der Bauverwaltung, Ausgabe 13. Januar 1900, Nr. 3, 20. Jahrgang, S. 14-16.

-Czierpka, Juliane: Der Ruhrbergbau. Von der Industrialisierung bis zur Kohlenkrise, online verfügbar unter: https://www.bpb.de/shop/zeitschriften/apuz/283262/der-ruhrbergbau/

-Das Schiff. Centralblatt für die gesamten Interessen der deutschen Schiffahrt, 19. Jahrgang, Nr. 978, 30.12.1898, S. 413.

-Das Theater. Illustrierte Monatsschrift für Theater und Gesellschaft, 13 (1932). H. 7.

-Deutsche Theaterausstellung Magdeburg, Offizieller Führer, Magdeburg 1927

-Deutschlands Städtebau – Magdeburg, Berlin 1927

-Doehler, Martha/Iris Reuther: Die Curie-Siedlung in Neustadt, Magdeburg 1994 (= Landeshauptstadt Magdeburg/Stadtplanungsamt Magdeburg, 22/1994)

-Diesn.: Magdeburg – Die Stadt des Neuen Bauwillens, Magdeburg 1995 (= Landeshauptstadt Magdeburg/Stadtplanungsamt Magdeburg, 39 I/1995)

-Diesn.: Siedlungsentwicklung in Westerhüsen Magdeburg Südost, Magdeburg 1995 (= Landeshauptstadt Magdeburg/Stadtplanungsamt Magdeburg, 35/1995)

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